1 Grundlagen und Geschäftsmodell

Die Sächsische Aufbaubank – Förderbank – (SAB) ist die Förderbank des Freistaates Sachsen. Die SAB ist ein Kreditinstitut in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts mit uneingeschränkter aufsichtsrechtlicher Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften, dessen Auftrag durch das Gesetz zur Errichtung der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank – (FördbankG) definiert ist. Die SAB unterliegt neben den handelsrechtlichen Bestimmungen und den Regelungen der Bankenaufsicht auch den speziellen förderrechtlichen Regelungen der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaates Sachsen sowie den haushaltsrechtlichen Grundsätzen auf Landesebene. Mit Inkrafttreten der 5. Änderungsrichtlinie (CRD V) zur Capital Requirements Directive (CRD) am 27. Juni 2019 wurden die rechtlich selbständigen deutschen Förderbanken aus wesentlichen Feldern der europäischen Bankenregulierung ausgenommen. Da die nationale Umsetzung der CRD V noch aussteht, stehen die tatsächlichen Auswirkungen der Ausnahme auf die regulatorischen Anforderungen an die SAB noch nicht abschließend fest.

Zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft, der SBG – Sächsische Beteiligungsgesellschaft mbH (SBG), bildet die SAB als übergeordnetes Unternehmen die SAB-Gruppe. Sie erstellt unter Rückgriff auf § 296 Handelsgesetzbuch (HGB) keinen Konzernabschluss.

Die Geschäftstätigkeit und der Geschäftsumfang der Bank sind von der Übertragung von Förderaufgaben abhängig. Die SAB nimmt entsprechend der „Verständigung II“ zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Kommission grundsätzlich nicht am allgemeinen Wettbewerb teil. Die Produkthoheit und die Entscheidung über die Mittelausstattung der einzelnen Förderprogramme liegen überwiegend in der Zuständigkeit des Freistaates Sachsen.

Die Bank betreibt vornehmlich Geschäfte und Dienstleistungen, die mit der Erfüllung ihrer Förderaufgaben in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Zur Durchführung ihrer Aufgaben vergibt die SAB insbesondere Darlehen und Zuschüsse, übernimmt Bürgschaften, geht Beteiligungen ein und prüft die ordnungsgemäße Fördermittelverwendung. Im Rahmen ihrer durch Gesetz und Satzung begrenzten Geschäftstätigkeit übernimmt die Bank in einem abgegrenzten Umfang Risiken. Das Kreditportfolio weist sektorale und einzelkreditnehmerbezogene Konzentrationen auf. Die SAB ist nicht insolvenzfähig. Ihre Verbindlichkeiten unterliegen aufgrund von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung sowie expliziter staatlicher Garantie keinem Ausfallrisiko.

Im Rahmen ihres Förderauftrags ist die Bank dabei vorwiegend in den nachfolgenden Förderbereichen tätig: 

  • Förderung im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung, des Wohnungs- und Siedlungswesens und der Wohnungswirtschaft
  • Förderung der Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des Mittelstands, der Freien Berufe, der Ansiedlung von Unternehmen, des technischen Fortschritts, dabei insbesondere der Technologie- und Innovationsfinanzierung sowie Förderung durch die die Bereitstellung von Risikokapital
  • Förderung von Infrastrukturmaßnahmen, der baulichen Entwicklung der Städte und Gemeinden sowie von Maßnahmen zur Entwicklung strukturschwacher Gebiete
  • Förderung des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes sowie der Land- und Forstwirtschaft und des ländlichen Raums
  • Förderung von Bildungsmaßnahmen, von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung, im Rahmen international vereinbarter Förderprogramme, des Gesundheitswesens, von Familie, Jugend und Sport sowie der Gleichstellung von Frau und Mann

Neben dem Fördergeschäft gehört das Treasurygeschäft zu den Aktivitäten der SAB. Aufgabe des Treasurys ist die ertragsorientierte Steuerung der Liquidität und des Zinsänderungsrisikos sowie die Sicherstellung der Refinanzierung.

Als Förderbank des Freistaates Sachsen ist die SAB neben ihrem Sitz in Leipzig am Hauptstandort in Dresden, im Kundencenter in Chemnitz sowie im Rahmen von Veranstaltungen in allen Regionen Sachsens vertreten.

1.1 Ziele und Strategien

An den Förderaufgaben der SAB und den Rahmenbedingungen ausgerichtet legt die SAB strategische Ziele für ihr Handeln fest. Die Ziele der SAB sind in der Geschäfts- und davon abgeleitet in der Risiko- sowie der IT-Strategie festgehalten. Sie bilden die Grundlage für die jährliche Wirtschaftsplanung und die mittelfristige Unternehmensplanung.

Die SAB strebt eine nachhaltige und auskömmliche Ertragskraft an, die es ihr ermöglicht, stets die Risikotragfähigkeit zu gewährleisten. Aus dem Fördergeschäft bilden die Zins- und Provisionserträge die wesentlichen Ertragsquellen der SAB. Diese sollen die laufenden Aufwendungen und Risiken abdecken. Die Gewinnerzielung ist dabei nicht das primäre Ziel ihrer Geschäftstätigkeit, sondern dient in erster Linie der Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen. Der Erhalt und die Steigerung der Risikotragfähigkeit werden durch die Bildung von ausreichenden Reserven und durch risikomindernde Maßnahmen erreicht, welche in der Risikostrategie beschrieben werden.

Die Aufwendungen der Bank, die bei der Durchführung ihres Förderauftrages und der Wahrnehmung sonstiger Aufträge entstehen, werden durch eine angemessene, kostendeckende Vergütung abgegolten. Die Provisionen werden in Bezug auf die Deckung der Aufwendungen zwischen der SAB und dem Freistaat Sachsen vereinbart.

Als Förderbank trägt die SAB eine besondere Verantwortung für die Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen in Sachsen. Nachhaltigkeit ist als strategisches Ziel in der Geschäftsstrategie der Bank verankert und Bestandteil der Unternehmenskultur der SAB. Die SAB  unterstützt mit verschiedenen Förderprodukten ökonomische, ökologische sowie soziale Nachhaltigkeitsprojekte von Privatpersonen, Unternehmen, Vereinen und öffentlichen Einrichtungen. Sie bekennt sich zu einer nachhaltigen Ausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit. Sie leistet damit selbst und im Rahmen ihres Fördergeschäftes einen aktiven Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele des Freistaates Sachsen.

Als Kreditinstitut ist die SAB darüber hinaus verpflichtet gemäß § 289b HGB über nichtfinanzielle Aspekte zu berichten. Diese Berichterstattung erfolgt in Form eines gesonderten Berichtes, dessen Veröffentlichung unter www.sab.sachsen.de erfolgt.

1.2 Struktur

Die Organe der SAB sind der Verwaltungsrat sowie der Vorstand. Der Verwaltungsrat hat einen Risikoausschuss, einen Prüfungsausschuss und einen Nominierungsausschuss gebildet. Wesentliche Rechtsgrundlagen für die Organe sind – neben dem FördbankG – insbesondere die Regelungen des Aktiengesetzes (AktG) und des KWG, die Satzung der SAB sowie die Geschäftsordnungen. Hinsichtlich der organisatorischen Grundlagen der Bank wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr Änderungen im Geschäftsbereich Marktfolge umgesetzt. Dieser besteht nunmehr aus den Bereichen Finanzen/IT (vormals Finanzen) sowie dem Bereich Risikomanagement und Organisation (vormals Bankbetrieb).

1.3 Beteiligungen

Die SAB ist im Rahmen ihres Förderauftrags an folgenden Unternehmen mit einem Anteil von mehr als 20 % beteiligt:

  • Die SBG – Sächsische Beteiligungsgesellschaft mbH (SBG) ist eine 100-prozentige Tochter der SAB. Sie hat sich auf den Erwerb und die Verwaltung von Beteiligungen und auf die Überlassung von Risikokapital an Unternehmen spezialisiert. Die SBG unterstützt Unternehmen bei deren Wachstums- und Turnaround-Vorhaben mit stillen und offenen Beteiligungen. Darüber hinaus agiert die SBG als Dienstleister der SAB beim TUClab Wettbewerb der TU-Chemnitz, bei dem wissenschaftsnahe Start-up-Unternehmen durch jährlich ausgelobte Wettbewerbe begleitet werden.
  • Mit der 100-prozentigen Beteiligung an der Sächsisches Staatsweingut GmbH (SSW) unterstützt die SAB den Freistaat Sachsen bei der Pflege und Erhaltung der sächsischen Weinkulturlandschaft.
  • Die Sächsische Landsiedlung GmbH – SLS (SLS) als 100-prozentige Tochter der SAB ist Dienstleister für den ländlichen Raum. Sie hat ihren Sitz in Meißen und ist in den Geschäftsbereichen Grundstücksverkehr, Dienstleistungen zur Strukturverbesserung und Raumordnung tätig. Die SAB ergänzt mit der Beteiligung an der SLS ihre Fördertätigkeit zur Unterstützung der Landwirtschaft.
  • Die Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH (SAENA) berät mit technischer Fachkompetenz kleine und mittlere Unternehmen, private Haushalte, die öffentliche Verwaltung und Bildungsträger über Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energien.
  • Die neu gegründete Sächsische Agentur für Strukturentwicklung GmbH, an der sich die SAB mit 49 % des Stammkapitals beteiligt hat, soll im Rahmen der Maßnahmen zur strukturpolitischen Begleitung des Ausstiegs aus der Braunkohleförderung im Mitteldeutschen und Lausitzer Revier eine zentrale Funktion bei der Beratung von Kommunen und Unternehmen übernehmen.
  • Mit der Beteiligung an der HHL gemeinnützige GmbH in Höhe von 25 % des Stammkapitals trägt die SAB dazu bei, betriebswirtschaftliche Grundlagenforschung, angewandte Forschung sowie Unternehmertum enger zu verzahnen. Als Business School bereichert die HHL die hiesige Hochschullandschaft und steht für eine international ausgerichtete und praxisnahe Management Ausbildung für Führungs- und Führungsnachwuchskräfte im Freistaat Sachsen.

Weitere Beteiligungen bestehen an der Bürgschaftsbank Sachsen GmbH (BBS), der Mittelständische Beteiligungsgesellschaft mbH (MBG), dem European Investment Fund (EIF), Beteiligungen im Rahmen der Mezzanin Dachfonds für Deutschland 2 Fazilität des EIF und der Partnerschaft Deutschland PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH. Darüber hinaus ist die Bank seit Mitte 2019 am Smart Infrastructure Ventures Fund I GmbH und Co. KG beteiligt. Mit dem Fonds sollen Finanzierungslücken in frühen Phasen der Unternehmensgründung geschlossen werden.