Wie "Dein musikalisches Denkmal" Menschen in schweren Zeiten neue Stärke schenkt.

Mit dem InnoStartBonus von der Idee zum sozial innovativen Modellprojekt

Bild zeigt Gründerin und Liedermacherin Nadine Maria Schmidt mit einer Gitarre in der Hand am Patientenbett
EU-Flagge Kofinanziert von der Europäischen Union

Sterben, Abschied und Trauer betreffen jeden Menschen – und sind doch oft mit Sprachlosigkeit und Tabus belegt. Hier setzt „Dein musikalisches Denkmal“ an: Unter diesem Label schreibt die Leipziger Liedermacherin und Gründerin Nadine Maria Schmidt persönliche Lieder mit Hospizgästen und Angehörigen – als würdevollen, individuell gestalteten Abschied und als „heilsame Begleiter“ in der Trauer.

Vom unsicheren Künstlerinnenalltag zum tragfähigen Geschäftsmodell
Schon vor der Gründung war sie mehr als zehn Jahre als Liedermacherin tätig, veröffentlichte vier Alben (alle für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert) und wurde 2016 mit dem Förderpreis der Liederbestenliste ausgezeichnet. Wirtschaftlich war das Leben als freischaffende Musikerin jedoch oft unsicher – erst recht mit Kind und in der Corona-Pandemie. In dieser Zeit schrieb sie für die Familie eines verstorbenen Jungen ein persönliches Lied. Die tiefe Resonanz und die Erfahrung, das Lied bei der Beerdigung zu spielen, machten ihr bewusst, „welche Kraft ein persönliches Lied für Abschied, Erinnerung und Trauerbewältigung entfalten kann“. Daraus entstand die Idee zu „Dein musikalisches Denkmal“.

Der InnoStartBonus der Sächsischen Aufbaubank (SAB), finanziert aus Mitteln des Freistaats Sachsen, war der entscheidende Schritt, diese Idee systematisch weiterzuentwickeln: Er verschaffte Zeit, das Geschäftsmodell zu schärfen, Zielgruppen und Kooperationspartner zu identifizieren und sich als Gründerin weiterzubilden – unter anderem über FutureSAX, den SINNkubator und die HHL-Gründerinnen-Initiative. „Ohne diese Förderung hätte ich mir diesen Entwicklungsspielraum nie leisten können“, sagt Nadine Maria Schmidt. „Der InnoStartBonus hat mir Mut gemacht, mein künstlerisches Arbeiten als gesellschaftlich relevante Dienstleistung zu begreifen.“ Aus einer künstlerischen Praxis wurde ein tragfähiges Gründungsvorhaben.

Portraitfoto von Nadine Maria Schmidt
Nadine Maria Schmidt, Liedermacherin und Gründerin von Dein musikalisches Denkmal
Der InnoStartBonus hat mir Mut gemacht, mein künstlerisches Arbeiten als gesellschaftlich relevante Dienstleistung zu begreifen.

Selbstwirksamkeit in einer Phase der Ohnmacht
Im Zentrum von „Dein musikalisches Denkmal“ steht die Verbindung von professioneller Liedkunst, Biografiearbeit und Sterbe- und Trauerbegleitung. Gemeinsam mit Hospizgästen und/oder Angehörigen entstehen Lieder, die Lebensgeschichte, Beziehungen, Erinnerungen und letzte Botschaften in Musik fassen. Der Prozess ist ebenso wichtig wie das fertige Lied: Erinnern, Sortieren, Aussprechen, Lachen, Weinen und Mitgestalten. Menschen in palliativen Situationen erleben dabei Selbstwirksamkeit – ob beim Formulieren von Textfragmenten, der Wahl eines Liedtitels oder beim Mitsingen. Auf Wunsch begleitet die Gründerin auch Beerdigungen und gestaltet Abschlusstreffen, etwa am Lieblingsort.

Modellvorhaben für eine menschlichere Erinnerungskultur
Dank eines weiteren Förderprogramms der Sächsischen Aufbaubank, finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF Plus), wird „Dein musikalisches Denkmal“ nun gemeinsam mit dem Leipziger Diakonie Hospiz als sozial innovatives Modellvorhaben im Hospizalltag erprobt und evaluiert. Von 20 geplanten musikalischen Denkmälern sind bereits 13 entstanden – die Rückmeldungen zeigen deutlich gesteigertes Wohlbefinden, erlebte Selbstwirksamkeit und eine hohe Akzeptanz bei Gästen und Angehörigen. Die Förderung ermöglicht, ein übertragbares Konzept für andere Hospize zu entwickeln.

Zur Zusammenarbeit mit der SAB sagt Nadine Maria Schmidt: „Der Kontakt mit der SAB war stets auf Augenhöhe, freundlich und lösungsorientiert.“ Fragen wurden schnell und kompetent beantwortet, bei technischen oder organisatorischen Herausforderungen wurden gemeinsam Lösungen gefunden. Besonders wichtig sei für sie gewesen, „dass die SAB nicht nur die formale Seite der Förderung begleitet hat, sondern dass ich immer wieder das Gefühl hatte: Der gesellschaftliche Wert dieses Vorhabens wird gesehen.“

Wissenswertes 

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